Krise & Dachboden

Peter Sloterdijk sagt, man soll die Krise nicht ästhetisieren. Das tut Sofia Coppola auch nicht, schafft aber ein Ding, dass dreimal laut Ja! zur ästhetischen Selbstreferentialität sagt. Mitten in der Rezession macht sie einen Parfum-Spot, der wie eine 2009er Wiederholung ihres Popmädchens Marie Antoinette daherkommt: Außenwelt ignorieren und sich selbst und seinen Dingkosmos großartig finden. Was bei Marie Antoinette problematisch ist, ist hier uneingeschränkt toll, weil Werbeclips ja nichts mit der Realität zu tun haben müssen und gerne auch die schreiendsten Kitschgeschichten erzählen dürfen. Ähnlich wie bei Mode, der man ja auch nicht vorwirft, dass sie sich um sich selbst dreht.

Gestern Abend bin ich auf den Dachboden gegangen und fand den Rost auf den Schrauben und überhaupt die Schrauben und den Werkzeugkasten und die ganzen Regale mit dem Zeugs auf einmal richtig, Verzeihung, schön. Das mag mit meinem Großvater-Dachboden-Komplex zu tun haben, irgendwie aber ist Rost ja wirklich so eine Art Authentizitätsglitzer für alle Sachen. Als ich dann wieder unten den Fernseher anmachte, um auf Phoenix DDR-Jugend zu gucken, ging das auch nich mehr anders als ästhetisch: Also, dass man über die Bildschnitte und den Tonfall von Historiendokumentationen und das Fernsehgekrissel nachdachte, und eigentlich gar nicht über DDR-Jugend. Und dass DDR-Dokumentation und Fernsehen zusammengehören wie meinetwegen Marlene Dietrich Songs und Schallplatte, das dachte ich auch noch. Langsam sammelt sich das Gedankenbecken, aus denen irgendwann eine kohärente Youtube-Pixel-Theorie hervortaucht, die erklärt, warum Hollywood-Blockbuster mit Internetschmutz überzogen plötzlich wieder anschaubar und attraktiv werden.

Ich bemühe mich, hier möglichst vieles mit Bildern zu mischen, denn das merke ich ja an meinem eigenen Leseverhalten: mit Fotos wird alles gleich interessanter.





2 Antworten auf „Krise & Dachboden“


  1. 1 987@654.321 12. Mai 2009 um 20:57 Uhr

    nu gehts los! ab die luuuuuuziiiii! der blogsport-dreier als erotic triangle.

  1. 1 konsequent zu Ende gedacht « Berblog Pingback am 13. Mai 2009 um 11:49 Uhr
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