Wort-Tüftel & Literatur

An heißen Tagen grillt das Gehirn. Wenn einem die alte Jugendschublade dann Beschäftigung hinwirft, kann das Gehirn nicht anders als nicken. Ich spiele also Wort-Tüftel. Schnell wird klar, dass das Reisespiel eigentlich ein Literaturapparat ist. Die Buchstabenwürfel geben die Vorlage für zufällige Wortreihungen, die sich lautlich ähneln.
Mein erster Versuch schreibt mir Doppel-i und ö vor, aus denen ich einen festen Wortkorpus bilde. Mit dem entstehenden Gedicht begründe ich – wie mir später klar wird – die WTSL (Wort-Tüftel-Suggest-Lyrik):

Als HIRTE führ ich mein TIER mit der TRÖTE
Die Sonne HEIZT HITZE HIER,
(blöde RÖTE sinkt nich in die RITZE, verdammt, dabei is schon 9)
Habe ZEIT und warte auf den
HERZ-HIT,
nen ZITTERnden REIZ,
dessen TERZ mich springen lässt.
EI, ne schöne ZIER ZIEHT Berge,
Mein HERZTIER ZEIHT gar nichts,
Ich HETZ es an:
kein Bock auf nen RITT,
will die TRÖTE nich HÖRn: HI, was? tschuldige.

Wort-Tüftelei

Familie & Osten

Alte Esoterik & Heimwerkerking

Dieser Beitrag ist so alt, dass er selbst, als er geschrieben wurde, mit den Worten „vor einiger Zeit“ beginnen musste. Damals noch für den esoterischen Litblog tueblog vorgesehen und dementsprechend verfasst, stößt er einem heute durch seine willkürlichen Bezüge und wurschtelige Schreibweise nur noch unangenehm auf. Besonders der 9/11-Vergleich ist lächerlich und abgesehen von einer leichten strukturellen Ähnlichkeit völlig unpassend und verletzend. Und selbst noch im Falschen werden Fehler begangen, wenn anstatt konsequent von Firefighters zu sprechen, das staubige „Feuerwehrmänner“ herhalten muss. Unversehens denkt man an kontrollierte Mahlsdorfer Osterfeuer, schweift gelangweilt zu Grisu und seiner Fernsehkindheit, um dann bereits mürrisch nach dem Anlass dieser Bezüge zu fragen. Eine Antwort bekommt man indes nicht.
Der wohl im 2. Absatz angedachte prophetische Ton ist – hier einmal kohärent – auch daneben gegangen. Beim sperrigen „Plan zur Reparatur“ muss man unwillkürlich auflachen, als wäre ein Eiskunstläufer nach der verpatzten Kür noch mit dem Schlußaxel in die Bande gesprungen.
Wenn der Text jetzt trotzdem veröffentlicht wird, dann aus dem einfachen Grund, um dem RSS-Feed eine neue (1) zu melden und die Hits ins Zweistellige zu treiben. Fail:

Vor einiger Zeit hat mich mein eigener Kleiderschrank verwundet. Erst brach ein Brett mit Hosen ein und fiel auf meine T-Shirts. Dann, als ich die Klamotten herausnehmen wollte, fiel von oben ein weiteres Regal herunter und riss mir den rechten Oberarm auf. Als die Feuerwehrmänner begannen die Menschen aus dem ersten Turm zu evakuieren, raste ein weiteres Flugzeug in den zweiten Turm.

Ich habe kurz geschrien und dann einen Plan zur Reparatur erarbeitet. Mit dem Material vom Dachboden und meinem Heimwerkergeschick zimmerte ich einen Holzbalken zur Stabilisierung. Der Schrank wird nicht mehr brechen, mein Arm wird heilen und aus blauen Flecken wird sich Stahlhaut bilden.

Küche & Peter

Beim mir bis dato unbekannten Küchenradio gibt es seit gestern ein sehr gut hörbares Gespräch mit Autor und Computerwisser Peter Glaser zu Google Books, dem Heidelberger Appell und dem traditionellen Veröffentlichen bei Verlagen (, den Anfängen von Bill Gates und Basic, dem Sammeln von ATARI-Perlen… und der Welt). Das ganze ist wirklich mehr so etwas wie ein Küchenabend, bei dem PG weniger als Experte auftritt, sondern vielmehr als Mitbetroffener, der nun mit etlichen Abschweifungen und Abkürzungen seinen Standpunkt auslotet. Die Mikros übersteuern mitunter, im Hintergrund ist einmal das Backblech zu hören. Als PG erzählt, dass er es toll findet, seine Linkschnipsel in der Glaserei als moderne Lyrik wahrzunehmen, wird mir schwindelig.

Mit gut 2 Stunden Länge sollte man nebenher vielleicht noch kochen, abendbroten oder nachtmahlen. Ich habe einfach im Bett gelegen.

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Krise & Dachboden

Peter Sloterdijk sagt, man soll die Krise nicht ästhetisieren. Das tut Sofia Coppola auch nicht, schafft aber ein Ding, dass dreimal laut Ja! zur ästhetischen Selbstreferentialität sagt. Mitten in der Rezession macht sie einen Parfum-Spot, der wie eine 2009er Wiederholung ihres Popmädchens Marie Antoinette daherkommt: Außenwelt ignorieren und sich selbst und seinen Dingkosmos großartig finden. Was bei Marie Antoinette problematisch ist, ist hier uneingeschränkt toll, weil Werbeclips ja nichts mit der Realität zu tun haben müssen und gerne auch die schreiendsten Kitschgeschichten erzählen dürfen. Ähnlich wie bei Mode, der man ja auch nicht vorwirft, dass sie sich um sich selbst dreht.

Gestern Abend bin ich auf den Dachboden gegangen und fand den Rost auf den Schrauben und überhaupt die Schrauben und den Werkzeugkasten und die ganzen Regale mit dem Zeugs auf einmal richtig, Verzeihung, schön. Das mag mit meinem Großvater-Dachboden-Komplex zu tun haben, irgendwie aber ist Rost ja wirklich so eine Art Authentizitätsglitzer für alle Sachen. Als ich dann wieder unten den Fernseher anmachte, um auf Phoenix DDR-Jugend zu gucken, ging das auch nich mehr anders als ästhetisch: Also, dass man über die Bildschnitte und den Tonfall von Historiendokumentationen und das Fernsehgekrissel nachdachte, und eigentlich gar nicht über DDR-Jugend. Und dass DDR-Dokumentation und Fernsehen zusammengehören wie meinetwegen Marlene Dietrich Songs und Schallplatte, das dachte ich auch noch. Langsam sammelt sich das Gedankenbecken, aus denen irgendwann eine kohärente Youtube-Pixel-Theorie hervortaucht, die erklärt, warum Hollywood-Blockbuster mit Internetschmutz überzogen plötzlich wieder anschaubar und attraktiv werden.

Ich bemühe mich, hier möglichst vieles mit Bildern zu mischen, denn das merke ich ja an meinem eigenen Leseverhalten: mit Fotos wird alles gleich interessanter.